D A S  L A B R E T

 

Das Labret ist eine Abwandlung der Holzpflöcke und Tellerlippen, die von einigen Naturvölkern als Schmuck getragen wurden. Viele dieser Körperverzierungen definieren die gesellschaftliche Position innerhalb eines Stammes wie beispielsweise bei den Eskimos. Bei Frauen galten die Verzierungen auch als Mittel zur Verschönerung und wurden sehr geschätzt.

 

Wo kann man stechen?

 

Das Labret läßt sich an verschiedenen Stellen um den Lippenbereich einsetzen, die bevorzugt gewählte Stelle jedoch ist der Mittelpunkt unterhalb der Lippe. Weitere Plazierungsmöglichkeiten sind die seitlichen Bereiche. Als Schmuck verwendet man meist einen Stecker mit Kugel und Platte. Diese Variation bietet durch die abnehmbare Kugel die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Aufsätzen das Aussehen zu verändern.


Eine weitere Variante stellt der Ring als Schmuckeinsatz in der Lippe dar. Dieser sitzt jedoch nicht direkt auf der Haut, wie es bei dem Stecker der Fall ist, was sich nachteilig auf den Tragekomfort auswirken kann. So erweist sich dieses Piercing als nicht sehr alltagstauglich: Man kann damit an Gegenständen hängenbleiben, außerdem stört es beim Essen - oder Küssen.

 

Zahnfleischschwund nicht ausgeschlossen

 

Nachdem Piercer und Kunde sich auf ein Schmuckstück geeinigt haben, wird die in Betracht zu ziehende Lippenpartie ausgewählt. Dabei ist darauf zu achten, daß der Rand der unteren Zahnreihe nicht zu weit in den Lippenbereich hineinsteht. Diese anatomische Gegebenheit würde durch die Reibung zwischen Schmuck und Zahnpartie eine Rückbildung des Zahnfleisches zur Folge haben, was sogar zum Verlust der gefährdeten Zähne führen kann. In solch einem Fall ist dem Kunden dringend von diesem Piercing abzuraten.

 

So wird fachmännisch gestochen…

 

Ist eine Stelle gefunden, wird diese mit einem Lokalanästhetikum eingerieben, welches eine kurze Einwirkzeit hat. In dieser Zeitspanne wird die Außenhaut mit einem Desinfektionsmittel gereinigt. Der Mundraum sollte nach der Einwirkzeit dann mit einem Mundwasser gespült werden, um die Reste des Betäubungsmittels und andere Verunreinigungen im inneren Bereich zu entfernen.


Die zum Einsatz benötigten Instrumente werden vorbereitet, wobei darauf zu achten ist, daß nur sterile Materialien mit der Haut in Kontakt treten. Bei leicht geöffnetem Mund wird nun zuerst die zu durchstechende Lippenpartie mit der Zange fixiert und schließlich durch deren Öffnung durchgestochen. Dabei verspürt der Kunde einen leichten Schmerz, der aber nur von sehr kurzer Dauer ist. Nach dem Entfernen der Nadel wird durch den verbleibenden Schlauch der Erst-Schmuck eingesetzt, welcher allerdings nur während der Abheilphase getragen wird.

 

Zum Ersteinsatz wird Stift mit Überlänge eingesetzt

 

Um Druckstellen an der Innenseite der anschwellenden Lippe zu vermeiden, wird ein Stecker mit ca. 1 bis 2 mm Überlänge eingesetzt. Das ist wichtig, denn zieht sich ein Stecker oder Ring erst einmal in die Schleimhäute hinein, kann das sehr schmerzhaft werden. Die Pflege bildet den wichtigsten Bestandteil nach dem Einsetzen, da nur so eine optimale Abheilung gewährleistet wird. Auch sollte man in den ersten drei Stunden auf die geliebten Zigaretten verzichten, da sich Nikotin nachteilig auf die Wundheilung auswirkt.

 

Pflegehinweis

 

Als Pflegemittel eignet sich für die Außenhaut Betaisodona und für die Innenseite Pyralvex. Vom Dauergebrauch von Mundwasser ist abzuraten, da diese die Mundflora zerstören kann. Mundspülungen mit Kamille und/oder Salbeitee wirken sich dagegen sehr positiv auf die Wundheilung der Schleimhäute aus. Die Abheilzeit beträgt normalerweise 4 bis 6 Wochen. Von einer hundertprozentigen Wundheilung spricht man allerdings nach diesem Zeitraum noch nicht. Diese benötigt in der Regel einen Zeitraum von bis zu 3 Monaten. Der Austausch des Ersteinsatzschmuckes kann allerdings schon nach ca. 2 Wochen vorgenommen werden, wenn der Lippenbereich abgeschwollen ist.


Quelle: Tätowiermagazin

 

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