D A S  B R US T W A R Z E N P I E R C I N G

 

Die alte Geschichte der »Busenringe«

 

Für beide Geschlechter schon lange bekannt sind die Brustwarzenringe, optisch auffallend und meistens auch sensorisch ein Gewinn für den Träger oder die Trägerin. Angeblich sollen bereits Soldaten im alten Rom sie getragen und daran ihre kurzen Umhänge befestigt haben. Wer schon einmal eine Weile mit Gewichten an den Brustwarzen herumgelaufen ist, wird allerdings wissen, daß das nicht lange ein angenehmes Gefühl ist. Plausibler scheint, daß zumindest die Ringe zum Befestigen von Kleidung an der entsprechenden Stelle eines anatomisch richtig geformten Brustpanzers befestigt waren.


Eine Renaissance in unserer Kultur erlebten die »Busenringe« im späten 19. Jahr-hundert. Der Historiker Eduard Fuchs berichtet in seiner »Illustrierten Sittengeschichte« von einem »Piercing-Wahn« unter den modebewußte Frauen der englischen Oberschicht und Halbwelt: Viele trugen damals schmückende Ketten von Brust zu Brust, um ihren Busen zu betonen und wegen des Wachstums, das die Brustwarzen durch das Tragen von Ringen erfahren.

 

Schmuck für jeden Geschmack

 

Auch heute gibt es weit mehr als einfache Stahl- oder Goldringe, um sich an dieser Stelle zu schmücken - wenn das Piercing erst einmal verheilt ist. Einige Goldschmiede haben sich auf speziellen Brustschmuck spezialisiert und entwerfen tragbare Stücke für jeden Geschmack. Von schlichten Anhängern bis zu juwelenbesetzen Blütenzweigen, stählernen »Nipple-Disks« (eine Scheibe mit Loch, die über die Brustwarze gezogen und mit einem Ring oder Stecker gehalten wird) oder zarten Brustschilden ist vieles machbar. Leider gilt auch hier, daß schöne Dinge teuer sind, und der »Sex-Zuschlag« beim einen oder anderen Hersteller ist nicht zu übersehen.

 

Horizontal oder vertikal ist hier die Frage?

 

Die Brustwarzen können vertikal oder horizontal oder diagonal durchstochen werden. Vertikale Piercings verschieben sich manchmal ein wenig, so daß sie diagonal werden. Für vertikale Piercings wählt man im allgemeinen einen Stift (Barbell), für horizontale einen Stift oder Ring. Besonders Frauen mit großen Brüsten und »BH-Zwang« tragen gerne gerade Stifte, da das Piercing so vom Druck der Kleidung weniger leicht irritiert wird.

 

Schmuckgröße für Ersteinsatz

 

Der Piercer wählt für den Ersteinsatz bei einem Brustpiercing einen vergleichsweise dicken Ring oder Stift. Zu dünner Schmuck kann Probleme während des Heilungsprozesses verursachen. Bei der Länge muß er darauf achten, daß die Brustwarze unter Umständen anschwillt und ihre Form und Größe sich bei Temperaturschwankungen verändert.


Bei Frauen mit gut entwickelten Brustwarzen wird im allgemeinen direkt der Ansatz der Warze durchstochen, bei Männern, bei denen die Brustwarze klein und flach ist, muß oft durch den Warzenvorhof gepierct werden. Auch bei Frauen mit Schlupf-warzen wird nicht die Brustwarze selber, sondern durch den Warzenvorhof gestochen. Da letzeres faktisch ein Oberflächenpiercing ist (wie beispielsweise der Augenbrauenring auch), ist die Gefahr bei diesen Personen größer, daß der Ring während des Heilens herauswächst. Ein erneutes Stechen hinter dem Narbengewebe ist dann meistens erfolgreicher.

 

Stillen immer noch möglich!

 

Wer sich nur eine Brustwarze piercen lassen möchte, sollte bedenken, daß diese in den meisten Fällen anschwellen und wachsen wird. Auch nach dem Entfernen des Schmucks bleibt eine Asymmetrie sichtbar.


Oft kommt die Frage von Frauen, ob Brustwarzenringe mit späterem Stillen vereinbar sind. Im Normalfall wird es damit keine Probleme geben, denn beim korrekten Stechen werden nur wenige der zahlreichen Milchkanäle zerstört. Frau sollte die Ringe etwa im sechsten Monat der Schwangerschaft jedoch herausnehmen und etwa drei Monate nach der Abstillzeit wieder einsetzen. Möglicherweise sind dann die Stichkanäle zugewachsen, so daß ein neues Piercing nötig wird. Bei gut verheilten Piercings schrumpft der Stichkanal aber oft auch nur, so daß er nach dem Abstillen wieder vorsichtig gedehnt werden kann (das sollte dann aber im Studio mit passendem Werkzeug geschehen).


Manche Frauen, denen der Ring nicht unangenehm ist, behalten ihren Schmuck auch während der Stillzeit an oder nehmen ihn nur für den Stillvorgang jeweils heraus. Die passende Alternative muß jede Frau individuell für sich herausfinden.

 

Abheilzeit zwingt zur Geduld

 

Nippel-Piercings verheilen nur sehr langsam. Die Heilungszeit beträgt 6 - 12 Monate, manchmal sogar noch mehr. Zur Pflege sollte keine Fettcreme verwendet werden und der Ring muß mit einem Hautdesinfektionsmittel saubergehalten werden. Zu enge Kleidung, die auf die frischgepiercte Stelle drückt, vermeidet man besser.

Quelle: Tätowiermagazin

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